Prof. Dr. Claus Tiedemann
Universität Hamburg
Fachbereich Bewegungswissenschaft
Prof. Dr. C. Tiedemann, 2011 altes Siegel der Universität Hamburg

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"Bewegungskultur" - Vorschlag einer Definition

(Vergleiche die Erläuterungen zu meiner "Sport"-Definition!)
aktualisiert: 29. Oktober 2013
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"Bewegungskultur" ist ein Tätigkeitsfeld, in dem Menschen sich mit ihrer Natur und Umwelt auseinandersetzen und dabei bewusst und absichtsvoll ihre insbesondere körperlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln, gestalten und darstellen, um einen für sie bedeutsamen individuellen oder auch gemeinsamen Gewinn und Genuss zu erleben.

"Culture of human motion" is a field of activity, in which people come to terms with their nature and environment and consciously develop, form and represent their particularly physical skills and abilities for to experience a meaningful individual or also common benefit and pleasure.

La "culture du mouvement humain" est un domaine d'activité, dans lequel des hommes s'exposent avec leur nature et environnement et consciemment et intentionellement développent, forment et représentent leurs compétences et capacités en particulier physiques pour vivre un significatif profit et plaisir individuel ou aussi commun.

Weil ich den Begriff "Sport" so eng definiert habe, dass viele in der Alltags-Sprache (und Wissenschafts-Sprache) damit auch gemeinte und bezeichnete Bereiche (wie Joggen, Wandern, Baden, Fitnesstraining, Gymnastik, "Gesundheitssport" usw.) ausgeschlossen sind, da ich diesen alltäglichen Sprachgebrauch aber nicht einfach begriffslos verlassen möchte, bezeichne ich diesen weiteren Bereich, der "Sport" einschließt, mit dem Begriff "Bewegungskultur".

Mir ist klar, dass dieses Wort etwas sperrig ist. Noch viel hinderlicher für die Verwendung dieses Worts in der Alltags- (und Wissenschafts-) Sprache dürfte sein, das mit den Worten "Sport" und "sportlich" seit geraumer Zeit so bedeutsame positive Zuschreibungen verbunden sind, dass jedes andere Wort von vielen Menschen (auch Sport-Wissenschaftlern) als ab-wertend empfunden wird. Dies habe ich in mancher Diskussion schon als heftigen Widerstand gegen meine Definitions-Vorschläge erfahren. Wenn ich denn besser akzeptierte, aber ebenso klare und trennscharfe andere Worte wüsste, würde ich sie ja gern verwenden und empfehlen. Zur Zeit weiß ich nichts Besseres, und deshalb rege ich - zumindest für den Bereich der Sportwissenschaft - an, diese Vorschläge zur Definition von "Sport" und "Bewegungskultur" ernsthaft zu prüfen.

Bei meinem Definitions-Vorschlag für "Bewegungskultur" habe ich - noch weniger als zum Begriff "Sport" - keine Hilfe in den einschlägigen sportwissenschaftlichen Lexika und Veröffentlichungen gefunden, obwohl dieses Wort schon länger in der sportwissenschaftlichen Diskussion benutzt wird und beispielsweise vor einigen Jahren ernsthaft als namengebend für den Fachbereich Sportwissenschaft der Universität Hamburg diskutiert wurde. 2005 hat er sich tatsächlich umbenannt in Fachbereich "Bewegungswissenschaft".

Zur Art und Weise meines Definierens vergleiche meine Ausführungen zur Sport-Definition: (http://www.sportwissenschaft.uni-hamburg.de/tiedemann/documents/sportdefinition.html#Definition1).

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Zur Klärung für die hoffentlich einsetzende Diskussion und für die Verbesserung meines Vorschlags erläutere ich im Folgenden kurz mein Verständnis der einzelnen Elemente meiner "Bewegungskultur"-Definition:

"Bewegung": Dieses Wort ist so vieldeutig, dass es allein nicht genügend trennscharf ist, wie es manche "Sport"-Wissenschaftler gerne hätten, die ihre Wissenschaft "Bewegungswissenschaft" nennen wollen. Damit begeben sie sich in Schwierigkeiten in philosophischer Hinsicht (Bewegung als Daseinsform der Materie usw.), in physikalischer Hinsicht (Bewegung als Eigenschaft / Zustand von Körpern usw.), in soziologischer Hinsicht (Bewegung als Bezeichnung für aktive gesellschaftliche Gruppen) und in vielen weiteren Hinsichten (vgl. Bös/Mechling 2003, Tamboer 1994, Zschorlich 2003).

In Verbindung mit "-kultur" scheint es mir nicht so viel konkurrierende Bedeutungsfelder zu geben. Den Begriff "Bewegungskultur" hat meines Wissens (noch) keine andere Wissenschafts-Disziplin für sich reklamiert außer der Sportwissenschaft. Die Definition, die Größing im "Sportwissenschaftlichen Lexikon" bietet, ist allerdings viel zu weit; danach würde auch eine Alltags-Bewegungs-Handlung wie Kartoffelschälen zu "Bewegungskultur" gehören (vgl. Tiedemann 2005).

Wenn Sportwissenschaftler von "Bewegung" reden, meinen sie meistens und speziell die menschliche körperliche Bewegung. Die auch bei "menschliche Bewegung" meines Erachtens noch bestehenden begrifflichen Unschärfen versuche ich (vorerst) mit dem Zusatz "körperliche" zu beheben. (Zu meinen Bedenken zu "körperlich" siehe die Erläuterung weiter unten!) Zur Unschärfe von "menschlicher Bewegung": Mit der Redeweise, man werde oder sei durch ein Ereignis oder eine Handlung "bewegt", wird eine affektive, gefühlsmäßige Wirkung auf einen Menschen ausgedrückt. Dieses (psychische) Bedeutungsfeld von "Bewegung" deutet auf die Schwierigkeit hin, die ich weiter unten zu "körperlich" näher erläutere: Mein Menschenbild erlaubt keine wesentliche Trennung von "Psyche" (oder "Geist" oder gar "Seele") und "Körper"; dennoch erscheint sie manchmal für die Klärung nötig. Mit einer in diesem Sinne nur analytischen Trennung versuche ich mir zu helfen.

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"Kultur": Kultur ist für mich die bewusste Gestaltung der eigenen Entwicklung, sowohl auf der Ebene der menschlichen Gattung als auch auf der des einzelnen Menschen. Die Entwicklung der Fähigkeit zur (Selbst-) Reflexion ist für mich der entscheidende Schritt von "tierischer" zu "menschlicher" - und damit möglicher kultureller - Entwicklung. Erst nach diesem Entwicklungsschritt kann man von Kultur, also auch von Bewegungskultur (und anderen kulturellen Tätigkeitsfeldern wie "Sport") reden.

Dann besteht auch erst die Möglichkeit der bewussten (und absichtsvollen) Gestaltung der eigenen Entwicklung. Gestaltung setzt voraus, dass es Handlungs-Alternativen gibt, eine (relative) Freiheit. Im Alltag, insbesondere im Bereich von Not, Gewohnheit usw., gibt es sie weniger oder sie werden nicht wahrgenommen. Die Wahrnehmung der Möglichkeit, die Art und Weise seiner Tätigkeit zu wählen und zu bestimmen, und schließlich die bewusste Entscheidung für eine bestimmte Art und Weise des Handelns machen für mich die Gestaltung aus.

Wenn ein zweijähriges Kind eine Fläche mit bereitstehenden Farben "gestaltet", ist es für mich nicht kulturell tätig, weil es einer bewussten, absichtsvollen Gestaltung noch nicht fähig ist. Wenn hingegen ein erwachsener Mensch etwas Gleiches macht (von außen betrachtet), dann kann es eine kulturelle Handlung sein - unabhängig davon, dass man über den kulturellen "Wert" des Produkts streiten kann.

Ein Beispiel aus dem Tätigkeitsfeld Bewegungskultur: Als Zweijähriger bin ich gelaufen, um von A nach B zu gelangen und in dieser noch wenig sicher beherrschten Tätigkeit sicherer zu werden; dies war keine Tätigkeit der Bewegungskultur, weil mir der Wille bzw. die Fähigkeit fehlte, diese Handlung zu "gestalten". Als Achtjähriger wollte ich nach der Lektüre von Indianerromanen mein (Dauer-) Laufen so gestalten, wie es die von mir bewunderten Indianer in den Romanen so gut konnten; diese Tätigkeit kann man schon dem Bereich der Bewegungskultur zurechnen. Sie hatte übrigens auch den Charakter eines Spiels (= so tun, als ob), und manchmal, wenn ich das mit einem anderen Jungen im Wettbewerb tat, auch den Charakter von Sport.

Mit dem Wort-Bestandteil "-kultur" wird also auch bei "Bewegungskultur" eine Abgrenzung zum Tätigkeitsfeld des Alltags-Handelns mit seinen Bewegungen bestimmt. Einfach zu einem Glas Wasser greifen ist eine Alltags-Bewegung; die äußerlich fast gleiche Bewegung bei einem festlichen Mahl kann (sollte) eine "kulturvolle" Bewegung sein, insofern sie bewusst, absichtsvoll "gestaltet" wird. Weiter unten verdeutliche ich diesen Unterschied bzw. Wechsel am Beispiel Wandern / Nordic Walking bzw. Ski-Abfahren. Mit dieser Abgrenzung von Alltags-Bewegungen widerspreche ich der von Größing im Sportwiss. Lexikon angebotenen Definition (Größing 2003, S. 94), der "Bewegungskultur" als "Sammelbegriff für alle Erscheinungsformen des menschlichen Bewegungshandelns in Alltag, Arbeit und Freizeit" definiert, aus meiner Sicht viel zu weit.

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"Tätigkeitsfeld": Dass der zu definierende Begriff "Bewegungskultur" als ein Tätigkeitsfeld bezeichnet wird, soll klarstellen, dass es sich um eine begriffliche Ebene oberhalb der Tätigkeit selbst handelt. Es geht also nicht um eine Tätigkeit oder Handlung, auch nicht um einen Gegenstand, einen Zustand oder gar um ein "Medium", "Verhältnis" o.ä., wie es einige Autoren bezeichnen. Der Begriff "Bewegungskultur" bezeichnet vielmehr einen abstrakten Sachverhalt, dem verschiedene Tätigkeiten zugeordnet sind.

"sich mit ihrer Natur und Umwelt auseinander setzen": In diesem (Tätigkeits-) Feld handeln Menschen in Beziehung zu (ihrer) Natur und Umwelt, auch zu ihrer eigenen menschlichen Umwelt, ihrer Kreatürlichkeit. Soweit sie so (auch selbst-) bezogen, reflexiv handeln, kann ihr Handeln als kulturelle Tätigkeit bezeichnet werden. Weiteres im nächsten Punkt.

"bewusst und absichtsvoll": Menschen handeln natürlich auch unbewusst; der Bereich des unbewussten Handelns mag sogar dominieren, sowohl qualitativ als auch quantitativ. Im Bereich der Kultur, also auch der Bewegungskultur, ist für mich jedoch das Bewusstsein des Handelns notwendig (siehe oben!). Die Grenzen zwischen unbewusst und bewusst sind allerdings fließend. Menschen handeln manchmal auch scheinbar absichtslos; dabei folgen sie mit ihrem Handeln in solchen Fällen nur einem heimlichen "Plan", den herauszufinden schwierig, aber nicht unmöglich ist. Da sowohl Bewusstheit als auch Absicht psychische Kategorien sind, deren Existenz bzw. Wirksamkeit von außen grundsätzlich nicht wahrnehmbar ist, ist hiermit ein Feld bezeichnet, in dem die Menschen miteinander in Beziehung treten müssen, um sich zu verständigen. "Was bedeutet dir das?" oder "Was willst du damit bewirken?" sind beispielsweise in diesem Tätigkeitsfeld grundsätzliche Fragen. Der Austausch hierüber beeinflusst die Wirksamkeit kultureller Tätigkeit.

Ein Beispiel für die "weichen" Grenzen zwischen Sport, Bewegungskultur und Alltags-Tätigkeit: Ein Skifahrer höchster Könnensstufe betreibt Sport, wenn er in einem Wettbewerb mit anderen den Hang hinunterfährt, er betreibt Bewegungskultur, wenn er mit der Absicht, "ideale" Bögen zu fahren, nur für sich den Hang hinunterfährt, und er vollführt eine Alltags-Tätigkeit, wenn er den Hang hinunterfährt, um einem Verunglückten zu helfen. Die äußere Form der Bewegung mag sehr ähnlich sein; das Entscheidende findet psychisch statt: Motiv und Ziel seines Handelns machen den Unterschied.

"ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten": Die unterschiedlich begabten Menschen haben bzw. entwickeln unterschiedliche Handlungs-Möglichkeiten in unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern, so auch in der Bewegungskultur. Fähigkeiten sind eher allgemeine, umfassende Handlungsmöglichkeiten, die auf Begabung und Übung beruhen können, z.B. kräftig zupacken, ausdauernd laufen oder seine Bewegungen sehr fein koordinieren können. Fertigkeiten bezeichnen speziellere Handlungsmöglichkeiten, die insbesondere durch intensives Üben (Training) erworben / entwickelt worden sind, z.B. einen Salto springen oder drei Bälle jonglieren können.

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"insbesondere": Mit diesem Wort drücke ich aus, dass es nicht ums Prinzip geht, um alles oder nichts, sondern um eine Abstufung, Graduierung.

"körperlichen": Mit diesem Wort will ich ausdrücken, dass es bei "Bewegungskultur" nicht so sehr um psychische, denkerische Fähigkeiten und Fertigkeiten geht, sondern um solche, die sich auf den gesamten "Körper" beziehen, insbesondere um äußerlich sichtbare, oder medizinisch ausgedrückt: um Fähigkeiten und Fertigkeiten des menschlichen Bewegungsapparats.

Mit dem Wort "Körper" (und deshalb auch mit "körperlich") bin ich allerdings nicht zufrieden, da nach abendländisch-christlicher Tradition in diesem Wort auch heute noch eine Trennung von "Geist" oder gar "Seele" mit-schwingt. Diese Trennung halte ich von meinem Menschenbild her für bedenklich. Außerdem kann das Wort "Körper" auch tote Gegenstände bezeichnen. Solange ich noch keinen besseren Begriff habe, benutze ich "körperlich" in der Hoffnung, damit - nur analytisch trennend - einen Aspekt unseres Menschseins zu bezeichnen, der seinen wichtigsten, seinen Hauptpunkt in der äußerlich sichtbaren Bewegung hat, auch wenn natürlich jedes (Bewegungs-) Handeln im "Inneren" (psychisch) begründet und gesteuert ist und letztlich es natürlich auch der ganze Mensch ist, dessen Handeln so äußerlich sichtbar wird / ist. Vielleicht ist es klüger, den "Körper"-Begriff durch den "Leib"-Begriff zu ersetzen - und dementsprechend von "leiblichen" Fähigkeiten und Fertigkeiten zu sprechen; mein derzeitiges Zögern ist insbesondere darin begründet, dass mit den früher gängigen Worten "Leibesübungen", "Leibeserziehung" usw. etwas meines Erachtens zu Recht Überwundenes bezeichnet worden ist. Vielleicht ist es aber auch Zeit, sich für eine Neu-Interpretation des "Leibes" einzusetzen.

Auf der äußerlich sichtbaren menschlichen Bewegung liegt also für mich der Schwerpunkt, und durch das vorangestellte Wort "insbesondere" wird ein weiterer nicht-binärer Aspekt eingebracht. Die Grenzziehung ist damit nicht völlig klar, sondern erklärungs- und begründungsbedürftig. Ein Beispiel: Das einfache Wandern ist für mich nicht nur keine "sportliche" Tätigkeit (schon deshalb, weil es nicht als Wettbewerb betrieben wird), sondern gehört für mich auch nicht in den Bereich der "Bewegungskultur", weil es beim einfachen Wandern nicht auf die absichtsvolle Gestaltung der Bewegung ankommt. Hingegen das sogenannte "Nordic Walking" zählt für mich zur "Bewegungskultur", weil bzw. insoweit als es bei dieser Tätigkeit auf die besondere (viele Muskeln beanspruchende, trainierende, gesundheitsfördernde) Gestaltung bzw. Form der Bewegung ankommt; wer die Stöcke nicht richtig (in diesem Sinne) einsetzt, betreibt Wandern mit Stöcken - oder, wie es mal jemand polemisch formuliert hat: "albernes Rumgekrücke".

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"entwickeln, gestalten und darstellen": Mit diesen Tätigkeits-Wörtern bezeichne ich das weite Feld des Handelns. Es reicht vom Entdecken von Bewegungs-Möglichkeiten über das Üben, um die Bewegungen zu können, bis hin zur ästhetischen Gestaltung und theatralischen Darstellung. Rehabilitations- und Fitness-Übungen sind eher mit "entwickeln" gemeint, Tanzen und Turnen beispielsweise mit "gestalten". Beides kann für die Handelnden den Wert in sich haben; sie brauchen kein menschliches Gegenüber. Wenn sich die Handelnden mit ihrer Bewegungs-Handlung auf andere Menschen beziehen, stellen sie sich mit ihren körperlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten dar, z.B. bei einem Schauturnen oder -tanzen. Weitere Erläuterungen zum "Gestalten" siehe oben zu "Kultur"!

"einen für sie bedeutsamen Gewinn und Genuss erleben": Dies soll das Motiv bzw. die möglicherweise zahlreichen zusammenwirkenden Motive bezeichnen, die Menschen veranlassen, ihre "insbesondere körperlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten [zu] entwickeln, [zu] gestalten [und] dar[zu]stellen". Auch dies ist ein weites Feld. Es reicht vom Gewinn an Welt-Teilhabe durch das Gehen- und Laufen-Können in der kindlichen Entwicklung über das Wieder-Gewinnen solcher Fähigkeiten und Fertigkeiten nach Unfall oder Krankheit bis zur Freude über das Gelingen bestimmter Fähigkeiten und Fertigkeiten und ihre immer bessere Beherrschung sowie bis zur Freude daran, andere Menschen mit der Vorführung eigener Fähigkeiten und Fertigkeiten erfreuen (oder ihre Anerkennung, Wertschätzung oder Zuwendung damit gewinnen) zu können.

"individuellen oder auch gemeinsamen": Es ist nicht erheblich, ob solcher "Gewinn und Genuss" von einem einzelnen Menschen für sich selbst angestrebt und erlebt wird, oder ob es mehrere Menschen sind, die in Beziehung zueinander sind. Beides schließt sich auch nicht gegenseitig aus. Der einsame Jogger z.B. braucht möglicherweise keinen anderen Menschen, auf den er sich bei und mit seinem Handeln (Joggen) bezieht, ebenso wenig der Genesende, der still vor sich hin seine Muskeln auf-trainiert. Der Freizeit-Kicker hingegen braucht andere Menschen ebenso wie jemand, der mit einem Bewegungs-Kunststück anderen imponieren möchte.

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Literatur-Auswahl (vgl. die Literatur zu meiner "Sport"-Definition!):

  • BALZ, Eckart: Sport oder Bewegung - eine Frage der Etikettierung? In: dvs-Informationen, Hamburg, 15 (2000), Heft 4, S. 8 - 12.

  • BÖS, Klaus; Heinz MECHLING: "Bewegung (motion / movement)". In: Sportwissenschaftliches Lexikon. Hg.: P. Röthig / R. Prohl. 7., völlig neu bearb. Aufl. Schorndorf: Hofmann 2003 (= Beiträge zur Lehre und Forschung im Sport; 49/50.). S. 82 - 84.

  • GRÖßING, Stefan: Sportliche Handlungsfähigkeit oder Bewegungskultur? In: Körpererziehung 45 (1995), Heft 3, S. 89 - 95.

  • GRÖßING, Stefan: "Bewegungskultur (movement culture)". In: Sportwissenschaftliches Lexikon. Hg.: P. Röthig / R. Prohl. 7., völlig neu bearb. Aufl. Schorndorf: Hofmann 2003 (= Beiträge zur Lehre und Forschung im Sport; 49/50.). S. 94 - 95.

  • SCHÜRMANN, Volker: Die eigentümliche Logik des eigentümlichen Gegenstandes Sport - Vorüberlegungen. In: Menschliche Körper in Bewegung. Hg.: V. Schürmann. Frankfurt / New York: Campus 2001. S. 262 - 287.

  • SCHÜRMANN, Volker: Ob Tütenkleben ein Sport ist. Zur Gegenstandsbestimmung von Sport. In: Forum Wissenschaft, Marburg, 19 (2002), Nr. 2, S. 6 - 9.

  • TAMBOER, Jan Willem Isaac: Philosophie der Bewegungswissenschaften. Übs. aus d. Niederländ. v. M. Lockmann u. A. H. Trebels. Butzbach-Griedel: Afra 1994.

  • TIEDEMANN, Claus: "Sport" - Vorschlag einer Definition

  • TIEDEMANN, Claus: "Was ist der Gegenstand der Sportwissenschaft?" Vortrag vom 16. 1. 2003 (HTML-Datei, 26 KB); auch ergänzt/aktualisiert als PDF-Datei (40 KB).

  • TIEDEMANN, Claus: "Sport (und Bewegungskultur) für Historiker. Ein Versuch, die zentralen Begriffe zu präzisieren." Vortrag vom 25. September 2004 beim 9. Internationalen CESH-Kongress in Crotone (PDF-Datei, 95 KB).

  • TIEDEMANN, Claus: "Was ist der Gegenstand der Sportwissenschaft?" Vortrag vom 09. September 2005 beim IX. Internationalen ISHPES-Kongress in Köln. In: New Aspects of Sport History. Proceedings of the 9th ISHPES Congress Cologne, Germany, 2005. Eds.: M. Lämmer; E. Mertin; T. Terret. Sankt Augustin: Academia 2007. S. 435 - 440. (PDF-Datei, 61 KB).

  • TIEDEMANN, Claus: "body turn" - wie viel "Umdrehungen" verträgt "der Körper"? Schwierigkeiten mit realen und begrifflichen Wendungen. Vortrag vom 19. September 2009 beim 14. Internationalen CESH-Kongress in Pisa (wird demnächst im Kongressbericht veröffentlicht) (PDF-Datei, 205 KB).

  • WILLIMCZIK, Klaus: Sportwissenschaft - ein passendes Etikett? Ein interdisziplinärer Dialog. In: dvs-Informationen, Hamburg, 16 (2001), Heft 3, S. 33 - 38.

  • ZSCHORLICH, Volker: "Bewegung (motion / movement)". In: Sportwissenschaftliches Lexikon. Hg.: P. Röthig / R. Prohl. 7., völlig neu bearb. Aufl. Schorndorf: Hofmann 2003 (= Beiträge zur Lehre und Forschung im Sport; 49/50.). S. 82.

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